Mercedes-Benz in der Krise: Was der Gewinneinbruch 2025 für die Zukunft der Marke bedeutet
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Mercedes-Benz hat 2025 einen historischen Gewinneinbruch erlitten: Das operative Ergebnis (EBIT) brach um 57 % auf 5,82 Milliarden Euro ein, nach 13,7 Milliarden im Vorjahr. Die Pkw-Marge liegt nur noch bei 5 %, vor drei Jahren waren es 16,4 %. Was bedeutet das für Fans von Mercedes-Benz Performance-Modellen?
Was ist schiefgelaufen beim Erfinder des Automobils? Wir haben die offiziellen Geschäftszahlen 2025, aktuelle Branchenberichte und die Einordnung von Philipp Raasch (Der Autopreneur Podcast, Februar 2026) analysiert.
Wie tief ist Mercedes 2025 wirklich gefallen?
Die Geschäftszahlen für 2025, veröffentlicht am , zeichnen ein ernüchterndes Bild. Der Konzernumsatz sank um 9,2 % auf 132,2 Milliarden Euro, der Nettogewinn halbierte sich nahezu auf 5,3 Milliarden Euro.
Besonders alarmierend: Der Durchschnittspreis pro Fahrzeug fiel von 71.000 auf 68.100 Euro. Das ist ein klares Signal, dass die Premium-Positionierung unter Druck steht.
Gleichzeitig brach der China-Absatz um 19 % auf 551.900 Fahrzeuge ein, der niedrigste Stand seit 2016. China macht rund ein Drittel aller Mercedes-Pkw-Verkäufe aus (Quelle: Brussels Signal, Mercedes-Benz Investor Relations).
| Kennzahl | 2024 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Konzern-EBIT | 13,7 Mrd. € | 5,82 Mrd. € | −57 % |
| Umsatz | 145,6 Mrd. € | 132,2 Mrd. € | −9,2 % |
| Nettogewinn | 10,4 Mrd. € | 5,3 Mrd. € | −49 % |
| Pkw-Marge | 8,1 % | 5,0 % | −3,1 PP |
| Ø Preis/Fahrzeug | 71.000 € | 68.100 € | −4,1 % |
| Absatz China | ~681.000 | 551.900 | −19 % |
Warum hat Mercedes vier Strategiewechsel in 18 Monaten vollzogen?
Was Mercedes-Benz besonders verwundbar macht, ist nicht allein der Gewinnrückgang. Es ist die strategische Orientierungslosigkeit dahinter. Vier grundlegende Kursänderungen innerhalb von anderthalb Jahren zeugen von tiefer Unsicherheit in der Konzernführung unter CEO Ola Källenius. Zum Vergleich: Porsche hielt im selben Zeitraum an seiner strategischen Linie fest.
1. Luxusstrategie „Marge vor Menge“ gescheitert
Ab 2020 setzte Källenius konsequent auf Luxus: Weniger Modelle, höhere Preise, Fokus auf Maybach, AMG und G-Klasse. Das Kompaktwagenportfolio schrumpfte von sieben auf vier Modelle. Intern hieß die Strategie „Economics of Desire“.
Der Plan ging zunächst auf: 2022 erreichte die Pkw-Marge mit 16,4 % ihren Höchststand. Doch der Erfolg war kurzlebig. Innerhalb von drei Jahren stürzte die Marge auf 5 % ab. Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management urteilt: „Die Strategie hat in dieser extremen Form nicht funktioniert“ (Quelle: Automotive News).
2. EQ-Submarke aufgelöst
2016 mit großen Ambitionen eingeführt, sollte „Mercedes-EQ“ die elektrische Zukunft der Marke symbolisieren. Modelle wie EQS, EQE und EQA trugen das Kürzel prominent.
Doch ab 2024 begann Mercedes, die Submarke schrittweise aufzulösen. Der G 580 erschien im April 2024 bereits ohne EQ-Präfix. Stattdessen heißt es nun nüchtern „mit EQ Technology“. Die Auflösung einer eigens aufgebauten Elektro-Marke ist ein kostspieliges Eingeständnis (Quelle: Electrek).
3. A-Klasse kommt zurück, obwohl sie erst abgeschafft wurde
Noch 2020/2021 verkündete Mercedes, dass es keinen Nachfolger der A-Klasse geben werde. Zu wenig Marge, zu wenig Luxus. 2025 dann die Kehrtwende: Die Produktion der aktuellen Generation wird bis 2027 verlängert, ein Nachfolger auf der neuen MMA-Plattform ist für 2028 bestätigt.
Källenius bezeichnete den Nachfolger als „ein verdammt attraktives Auto“ für jüngere europäische Kunden. Die Rückkehr eines Modells, das man aus strategischen Gründen eingestampft hatte, ist das klarste Eingeständnis, dass die reine Luxusstrategie an der Realität des Marktes gescheitert ist (Quelle: Automobilwoche).
4. Level 3 autonomes Fahren gestrichen
Mercedes war weltweit der erste Hersteller mit einer zertifizierten Level-3-Funktion: Der „Drive Pilot“ erlaubte ab 2023 in EQS und S-Klasse freihändiges Fahren unter bestimmten Bedingungen.
Im Januar 2026 wurde das System gestrichen. Es funktionierte nur bis 95 km/h, bei gutem Wetter, auf Autobahnen und bei Tageslicht. Hinzu kam die Insolvenz des Lidar-Zulieferers Luminar. Nachfolger wird ein Level-2++-System namens „MB.Drive Assist Pro“. Der Sprung zu Level 4 ist frühestens für 2028–2030 geplant (Quelle: electrive.com).
Warum gehören 20 % von Mercedes chinesischen Konkurrenten?
Rund 20 % der Mercedes-Benz-Anteile gehören chinesischen Investoren, die gleichzeitig direkte Wettbewerber sind. In unserer Analyse dieses Interessenkonflikts zeigt sich ein strukturelles Dilemma, das weit über bloße Aktionärsstrukturen hinausgeht.
BAIC hält 9,98 % und baut gemeinsam mit Huawei den Stelato S9, einen direkten S-Klasse-Konkurrenten auf dem chinesischen Markt. Li Shufu, Gründer von Geely, kontrolliert 9,69 % und besitzt mit Zeekr, Polestar und Lynk & Co gleich mehrere konkurrierende Premium-EV-Marken.
Mercedes befindet sich damit in der paradoxen Situation, strategische Entscheidungen treffen zu müssen, die den Interessen zweier Großaktionäre zuwiderlaufen könnten. Beide treten im wichtigsten Wachstumsmarkt China direkt gegen Mercedes an (Quelle: Mercedes-Benz Investor Relations).
Warum schneiden BMW, Toyota und Kia besser ab als Mercedes?
Wir haben die Kennzahlen der wichtigsten Wettbewerber verglichen, die alle im selben schwierigen Marktumfeld agieren: US-Zölle, schwächelndes China-Geschäft und die laufende EV-Transformation. Alle drei Vergleichshersteller haben 2025 deutlich besser performt als Mercedes.
| Hersteller | Umsatz 2025 | EBIT-Veränderung | Operative Marge | Absatz |
|---|---|---|---|---|
| Mercedes-Benz | 132,2 Mrd. € (−9 %) | −57 % | 5,0 % | 1,8 Mio. (−9 %) |
| BMW | 133,5 Mrd. € (−6 %) | −21 % | 5,3 % | 2,46 Mio. (+0,5 %) |
| Toyota | ~314 Mrd. $ (+6,5 %) | stabil | ~10 % | Weltgrößter OEM |
| Kia | ~74 Mrd. € (+6,2 %, Rekord) | −28 % | 8,0 % | 3,14 Mio. (Rekord) |
BMW verkaufte 2025 rund 663.000 Fahrzeuge mehr als Mercedes und erzielte dabei einen ähnlichen Umsatz. BMWs EBIT fiel nur um 21 %, das Vorsteuerergebnis sogar nur um 3 %, weit entfernt von Mercedes' 57 %-Einbruch.
Toyota wuchs dank konsequenter Hybrid-Strategie trotz globalem Gegenwind und erzielte rund 10 % operative Marge. Kia verzeichnete 2025 Rekordabsatz und Rekordumsatz mit einer Marge, die Mercedes um drei Prozentpunkte schlägt. Das zeigt: Die Probleme bei Mercedes sind zu großen Teilen hausgemacht (Quellen: BMW Group Geschäftsbericht, Hyundai Motor Group).
Was bedeutet die Krise für Mercedes-Fans und Sportwagen-Enthusiasten?
Bei all den Konzernproblemen gibt es einen entscheidenden Lichtblick: Im AMG- und Performance-Segment bleibt Mercedes weiterhin erstklassig. Die AMG-Modelle gehören zu den begehrtesten Sportwagen auf deutschen Straßen.
Ob C63 S, E63, G63 oder AMG GT (so funktioniert das Mieten): Diese Fahrzeuge sind Ingenieurskunst auf höchstem Niveau und verkörpern genau das, wofür der Stern seit Jahrzehnten steht. Die Konzernkrise mag Analysten beschäftigen, aber der Sound eines handgebauten AMG-V8 bleibt davon unberührt.
Kann Mercedes das Ruder herumreißen?
Die offizielle Prognose für 2026 ist ernüchternd: Mercedes selbst erwartet eine Pkw-Marge von nur noch 3–5 %. Das wäre eine weitere Verschlechterung gegenüber den bereits schwachen 5 % in 2025.
Dennoch hat Mercedes Trümpfe in der Hand. Die Marke genießt weltweit enormes Prestige, die AMG-Division liefert weiterhin benchmark-setzende Performance-Fahrzeuge. Die neue MMA-Plattform könnte ab 2028 eine neue Generation bezahlbarer Mercedes-Modelle ermöglichen, die Volumen und Marge gleichzeitig liefern.
Nach unserer Einschätzung muss Källenius dafür endlich eine klare Linie finden und dabei halten. Vier Strategiewechsel in 18 Monaten sind kein Zeichen von Agilität, sondern von Planlosigkeit. Die kommenden 24 Monate werden zeigen, ob der Stern wieder steigt oder weiter fällt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum ist der Mercedes-Gewinn 2025 so stark eingebrochen?
Das EBIT von Mercedes-Benz fiel 2025 um 57 % auf 5,82 Milliarden Euro. Hauptursachen waren der China-Absatzeinbruch von 19 %, sinkende Durchschnittspreise pro Fahrzeug (von 71.000 auf 68.100 Euro), die Kosten der gescheiterten Luxusstrategie und zunehmender Wettbewerbsdruck durch chinesische Hersteller wie BYD, Zeekr und NIO.
Wie steht Mercedes im Vergleich zu BMW da?
BMW schnitt 2025 deutlich besser ab: Das EBIT sank um 21 % (vs. 57 % bei Mercedes), das Vorsteuerergebnis fiel sogar nur um 3 %. BMW verkaufte 2,46 Millionen Fahrzeuge (+0,5 %), Mercedes nur 1,8 Millionen (−9 %). BMWs Strategie war konsistenter, ohne die radikalen Kurswechsel, die Mercedes durchlief.
Sind Mercedes-AMG-Modelle von der Krise betroffen?
Die Konzernkrise betrifft primär die strategische Ausrichtung und die Gesamtprofitabilität. AMG-Performance-Modelle wie der C63 S, E63 oder G63 bleiben technisch und qualitativ auf höchstem Niveau. Die Fahrzeuge sind weiterhin auf dem Markt verfügbar und erlebbar, ganz unabhängig von Konzernbilanzen.
Warum gehören 20 % von Mercedes chinesischen Konkurrenten?
BAIC (9,98 %) und Li Shufu/Geely (9,69 %) sind historische Großinvestoren bei Mercedes-Benz. Beide bauen mittlerweile eigene Premium-Fahrzeuge, die direkt mit Mercedes konkurrieren, etwa den Stelato S9 (BAIC/Huawei) oder Zeekr und Polestar (Geely). Das schafft einen strukturellen Interessenkonflikt.
Quellen: Brussels Signal, Mercedes-Benz Investor Relations, Automotive News, electrive.com, BMW Group, Philipp Raasch, Der Autopreneur Podcast (Februar 2026).
CEO & Co-Founder
Egor ist die strategische Kraft hinter Drivable. Er leitet die geschäftliche Ausrichtung und sorgt dafür, dass der B2B2C-Marktplatz für Sportwagen sowohl für professionelle Anbieter als auch Mieter das beste Erlebnis bietet.
15. März 2026
